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| Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band
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Genial
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Joseph und seine Brüder. Die Geschichten Jaakobs. (Sondereinband) In der Joseph-Tetralogie zeigt Thomas Mann sich als der ganz große Geschichtenerzähler, der er ist. Nicht eine, nein, tausend Geschichten werden in diesen vier Büchern erzählt, Geschichten, die ineinander greifen, die abschweifen, jede für sich lesenswert und liebenswürdig. Überhaupt: liebenswürdig, das sind sie fast alle, die vielen Menschen, die dem Leser in dieser Mammutgeschichte begegnen. Natürlich findet man auch die typisch Mann'schen Themen wieder: das Erwähltsein (Joseph, ebenso wie Gregor, Adrian Leverkühn, Klaus Heinrich - und in ihnen letztlich Thomas Mann -, ist ein Erwählter), das Sich-selbst-Aufgeben aus Liebe, der Dualismus zwischen Kunst und Leben, zwischen dem Künstlich-künstlerisch-Verstiegenen und dem Natürlich-Unbedarften, zwischen dem geistig Schaffenden, Inerten und dem Lebendigen, Aktiven... Ich ziehe die vier Joseph-Bände mit ihrem grundsätzlich verschmitzt-heiteren Grundton, der immer wieder die Oberhand gewinnt, der düsteren Atmosphäre des Doktor Faustus und dem etwas schwül-dekadenten Verwesungsgeruch des Zauberbergs vor (ohne diesen beiden Werken die ihnen zweifellos gebührende Bewunderung zu versagen...). Verwandt ist der Erzählton in dieser Hinsicht eher dem des Erwählten und der Königlichen Hoheit. Zauberhaft und genial - wie immer bei Mann, aber hier vielleicht auf besonders charmante Weise - ist natürlich die Sprache: die wunderbar wallenden, fließenden Sequenzen, die meisterhaft durchgehaltene Leitmotivik, der stets zu erwartende jähe Umschwung von hohem Pathos, tiefer Tragik oder schmerzlicher Leidenschaft (eine andere gibt es bei Mann kaum) in ein verschmitztes Augenzwinkern, die allem zugrundeliegende subtile Ironie - all dies ist eine helle Freude für den Leser, der hohe Sprachkunst zu schätzen weiß. Ausdauer, das sei zugegeben, braucht man für dieses Meisterwerk der Erzählkunst: bei insgesamt etwa 1800 Taschenbuchseiten hat auch der schnelle und begeisterte Leser durchaus etwas zu tun. Doch es lohnt sich! Auch denjenigen, denen der Erzählstil anfangs etwas ungewohnt vorkommen möge, sei die Lektüre wärmstens empfohlen, denn in die Mann'sche Sprache kann man sich "einlesen", und wer Spaß an gut erzählten Geschichten hat, der wird seine Freude an dem Werk haben.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. Januar 2003 | | | | | | | |
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